Nur nicht weinen

H. Riemann

Trotzt und muckt, soviel ihr wollt,

Noch so wüthend scheinet,

Meinetwegen grollt und schmollt,

Wenn ihr nur nicht weinet.

Feindes Grimm macht mich nicht bleich,

Auch nicht Blutvergießen,

Doch ich werde schwach und weich,

Seh' ich Thränen fließen.

Wenig fehlt, daß mir beiher

Selbst sich Tropfen lösten,

Wenn's nicht gar zu wonnig wär',

Schluchzende zu trösten.

Blicke schmelzen, thränenfeucht,

Brüstlein wogt und schwillet,

Zitternd schmiegt sich und verscheucht

Eine, ie man stillet.

Wangen heiß vom Weinen sehn

Macht das Herz mir schlagen,

Augen, die voll Zähren stehn,

Kann ich nichts versagen.

Was in euch für Mächte ruhn

Über Unsereinen,

Alles, Mädchen, mögt ihr thun,

Alles, nur nicht weinen!