Abigail
H. Schilling
Im Kleid des Hirten schritt sie aus des Melechs Haus
Zu ihren jungen Dromedarenherden,
Im edlen Wettlauf mit den wilden Pferden
Und trieb die Silberziegen vor die Stadt hinaus,
Bis sich die Abendamethysten reihten um die Erden.
Um seine einzige Tochter bangte König Saul.
Sie setzte das verirrte Tier nicht aus
Der Wüste hungernder Schakale
Und trug am Arme blutiger Bisse Male,
Entriß das Böcklein noch der Löwin Maul.
– Der blinde Seher sah es jedesmal voraus. –
Die Gräser zitterten im Judatale.
Im Schoß des Vaters schlief die kleine Abigail
Wenn über Juda lauschte Israels Gebieter
Hinüber zu dem feindlichen Hettiter.
Der Skarabäus seiner Krone wurde faul.
Treu aber hütete der Mond des Melechs Güter
Und seine Krieger übten sich im Pfeil.
Bis Isaak blies den goldenen Abraham aus
»Den Mond« – erzählte ernst der Melech seinem Kinde.
Der bleibt in seinem ewigen Scheine ohne Sünde.
Auch Isaak glitzerte ganz hell und weiß.
Man konnte ihn noch funkeln seh'n im Winde.
Einst trug sein Vater ihm ein Osterlämmlein hin auf seines Herrn Geheiß.
Als auf den Feldern blühte jung das Reis,
Schloß Saul die mächtigen Judenaugen beide,
Und seiner Abigail begegnete ein Engel auf der Weide,
Der kündete: »Jehova blies die Seele deines Vaters aus« …
– Die arme Hirtin weinte zwischen ihren Herden leise.
Die scharten sich um sie in ihrem Herzeleide.