An Mary, die Verklärte
H. von Bülow
O Morgenstern mit mattem Strahl,
den jungen Tag verkündest du
und weckest mich zu neuer Qual;
dahin, dahin ist meine Ruh'.
O Mary, sieh auf meine Pein
herab vom hohen Himmelszelt.
Verlassen bin ich und allein,
seit du entschwebtest dieser Welt.
Der Götterstund' im heil'gen Hain
an Ayrensstrand vergess' ich nicht.
Sie soll mein einzig Denken sein,
bis sterbend mir das Auge bricht.
Die Blumen an dem Uferhang
belauschten lüstern unser Glück;
es tönt' der Vöglein Liebessang
vom grünen Waldesdom zurück.
Der Liebe letztem Opferfest
entwich zu früh die flücht'ge Zeit;
die Sonne sank im fernen West,
dir winkend in die Ewigkeit.
Der grünen Birke süßen Duft
sog wonnetrunken uns're Brust,
des Zephyrs frische Abendluft
sie kühlte nicht die Liebeslust.
Dein Abschiedskuss, dein letzter Blick,
sie sind nun meine ganze Hab'.
Du kehrest nimmer mir zurück
aus deinem stillen, tiefen Grab.
O Mary, sieh auf meine Pein
herab vom hohen Himmelszelt.
Verlassen bin ich und allein,
seit du entschwebtest dieser Welt.