Frühlingslied
H. Wichmann
Frühling ist ein Jagdgesell,
Kleidet sich in grün,
Augen blitzen munterhell
Und die Wangen blühn;
Singend, klingend schreitet er
In das Land hinein
Und ein ganzes Sängerheer
Jubelnd hinterdrein.
An Gewehr und Schießbedarf
Hat er Überfluß,
Lad't in jedes Zweiglein scharf
Einen Doppelschuss,
Und nach allen Seiten rund
Schießen lustig draus
Frisches Laub und Blüthen bunt
In die Welt hinaus.
Kommt dann so ein junges Blut
Ohne Arg im Sinn,
Legt der Schall sich wohlgemuth
Auf die Lauer hin,
Nimmt sein Hochwild fein auf's Korn,
Zielt und schießt -- o Pein!
Ihm ein Röslein mit dem Dorn
Grad in's Herz hinein.
Wenn das anfangs wehe thut,
War's zuletzt ein Spiel,
Das dem Schützen kaum so gut
Als dem Wild gefiel,
Denn es schallt, je mehr er schießt,
Um so lauter gar:
Frühling, Frühling, sei gegrüßt,
Frühling immerdar!