Evas Klage

H. Zilcher

Stern im Abendgrauen,

laß dein bleich Erschauern;

laß micht endlich ruhig

heim gen Eden trauern.

O Eden, mein Eden,

Garten meiner Träume,

warum gab mir Gott den Anblick

deiner Frühlingsträume!

Deine Sommerfluren

hat er nicht behütet;

in den stolzen Garben

hat der Blitz gewütet.

In dein Herbstgefilde

ist der Sturm gekommen,

hat mir von den Ästen

Frucht um Frucht genommen.

Warum sang der Frühling?

sang von seligem Wandern

nur auf Blumenauen,

sang von einem seligen Andern!

Ach, er kam, der andre,

kam mit Glut und Flammmen

über meinen Blumen

schlugen sie zusammen.

Lachend aus der Asche

hat mich getragen.

In der kalten Fremde

hat ihn Gott erschlagen.

Winter ist geworden

Ach, ich möchte weinen.

Aber seine Seele

lacht noch in der meinen.

Still auf seinem Grabe

muß ich warten, warten;

meine Kinder irren

suchend nach dem Garten.

O mein Garten Eden,

verlorenes Eden,

o Eden, mein Eden,

stehst du denn noch offen?

Bis zur letzten Stunde

will ich auf dich hoffen!

Magst du, Gott, mich töten,

mag mein Traum verglühen,

aber meinen Kindern muß er

neu erblühen! ----

Laß dein bleich Erschauern,

Stern im Abendgrauen!

Endlich kann ich ruhig

heim gen Eden schauen.

Magst du, Stern, versinken,

mag ich selbst vergehen:

Meine Kinder werden

Eden wiedersehen.