O Traurigkeit, o Herzeleid

H. von Herzogenberg

O Traurigkeit,

O Herzeleid!

Ist das nicht zu beklagen?

GOtt des Vaters einig Kind

Wird in's Grab getragen.

O große Noth!

GOtt Selbst liegt todt,

Am Kreuz' ist Er gestorben,

Hat dadurch das Himmelreich

Uns aus Lieb' erworben.

O Menschenkind!

Nur deine Sünd'

Hat dieses angerichtet,

Wie du durch die Missethat

Warest ganz vernichtet.

Dein Bräutigam,

Das GOtteslamm

Liegt hier mit Blut beflossen,

Welches er ganz mildiglich

Hat für dich vergossen

O süßer Mund,

O Glaubensgrund,

Wie bist Du doch zerschlagen!

Alles, was auf Erden lebt,

Muß Dich ja beklagen.

O lieblich Bild,

Schön zart und mild,

Du Söhnlein der Jungfrauen!

Niemand kann Dein heißes Blut

Sonder Reu' anschauen.

Hochselig ist

Zu jeder Frist,

Der dieses recht bedenket,

Wie der Herr der Herrlichkeit

Wird in's Grab versenket!

O Jesu, Du

Mein' Hülf' und Ruh',

Ich bitte Dich mit Thränen:

Hilf, daß ich mich bis in's Grab

Möge nach dir sehnen!