Abschied

L. Wolf

Das war ein stiller, trüber Gang,

Als ich zum letztenmal

Aufstieg den waldigen Bergeshang

Vom blütenweißen Tal!

Die Blätter bebten um und um,

Vom Abendwind durchrauscht,

Ich habe düstern Sinns und stumm

Ihr Lebewohl erlauscht.

Die Bäume kannt' ich groß und klein

Und jeden Strauch am Weg

Und jeden moosbewachsenen Stein

Am schmalen Felsensteg;

Und Moos und Epheu schmiegten fest

Um Felsen sich und Baum --

Die wissen auch, wie schwer man läßt,

Was mehr doch war als Traum!

Und als ich trat zum Bergesrand,

Da glühte purpurrot

Das weite duftverschwommene Land,

Dem ich den Abschied bot,

Und zögernd in dem Wolkenflor

Hing dort die Sonne noch --

Was zögerst du, du armer Tor?

Von dannen mußt du doch!

Von dannen mußt ich doch! Vorbei,

Vorbei die goldne Zeit!

Vergessen muß ich mancherlei

In ferner Einsamkeit.

Leb wohl, du Berg, du heilger Wald,

Du jugendduftig Tal!

Da draussen werd ich altern bald--

Lebwohl zum letztenmal.