Er kam aus Licht zu immer tieferm Lichte

I. Lohr

O wo ist der, der aus Besitz und Zeit

zu seiner großen Armut so erstarkte,

daß er die Kleider abtat auf dem Markte

und bar einherging vor des Bischofs Kleid.

Der Innigste und Liebendste von allen,

der kam und lebte wie ein junges Jahr;

der braune Bruder deiner Nachtigallen,

in dem ein Wundern und ein Wohlgefallen

und ein Entzücken an der Erde war.

Denn er war keiner von den immer Müdern,

die freudeloser werden nach und nach,

mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brüdern

ging er den Wiesenrand entlang und sprach.

Und sprach von sich und wie er sich verwende,

so daß es allem eine Freude sei;

und seines hellen Herzens war kein Ende,

und kein Geringes ging daran vorbei.

Er kam aus Licht zu immer tieferm Lichte,

und seine Zelle stand in Heiterkeit.

Das Lächeln wuchs auf seinem Angesichte

und hatte seine Kindheit und Geschichte

und wurde reif wie eine Mädchenzeit.

Und wenn er sang, so kehrte selbst das Gestern

und das Vergessene zurück und kam;

und eine Stille wurde in den Nestern,

und nur die Herzen schrieen in den Schwestern,

die er berührte wie ein Bräutigam.

Dann aber lösten seines Liedes Pollen

sich leise los aus seinem roten Mund

und trieben träumend zu den Liebevollen

und fielen in die offenen Korollen

und sanken langsam auf den Blütengrund.

Und sie empfingen ihn, den Makellosen,

in ihrem Leib, der ihre Seele war.

Und ihre Augen schlossen sich wie Rosen,

und voller Liebesnächte war ihr Haar.

Und ihn empfing das Große und Geringe.

Zu vielen Tieren kamen Cherubim,

zu sagen, daß ihr Weibchen Früchte bringe, -

und waren wunderschöne Schmetterlinge:

denn ihn erkannten alle Dinge

und hatten Fruchtbarkeit aus ihm.

Und als er starb, so leicht wie ohne Namen,

da war er ausgeteilt: sein Samen rann

in Bächen, in den Bäumen sang sein Samen

und sah ihn ruhig aus den Blumen an.

Er lag und sang. Und als die Schwestern kamen,

da weinten sie um ihren lieben Mann.