Part VI: Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben

J. Bach

55. Chorus

Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben,

So gib, dass wir im festen Glauben

Nach deiner Macht und Hülfe sehn!

Wir wollen dir allein vertrauen,

So können wir den scharfen Klauen

Des Feindes unversehrt entgehn.

56. Recitativo (tenor)

Da berief Herodes die Weisen heimlich

und erlernet mit Fleiß von ihnen,

wenn der Stern erschienen wäre?

Und weiset sie gen Bethlehem und sprach:

(basso) Ziehet hin und forschet fleißig

nach dem Kindlein, und wenn ihr's findet,

sagt mir's wieder, dass ich auch komme

und es anbete.

57. Recitativo (soprano)

Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen,

Nimm alle falsche List,

Dem Heiland nachzustellen;

Der, dessen Kraft kein Mensch ermißt,

Bleibt doch in sichrer Hand.

Dein Herz, dein falsches Herz ist schon,

Nebst aller seiner List, des Höchsten Sohn,

Den du zu stürzen suchst, sehr wohl bekannt.

58. Air (soprano)

Nur ein Wink von seinen Händen

Stürzt ohnmächtger Menschen Macht.

Hier wird alle Kraft verlacht!

Spricht der Höchste nur ein Wort,

Seiner Feinde Stolz zu enden,

O, so müssen sich sofort

Sterblicher Gedanken wenden.

59. Recitativo (tenor)

Als sie nun den König gehöret hatten,

zogen sie hin. Und siehe, der Stern,

den sie im Morgenlande gesehen hatten,

ging vor ihnen hin, bis dass er kam

und stundoben über, da das Kindlein war.

Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet

und gingen in das Haus

und funden das Kindlein mit Maria,

seiner Mutter, und fielen nieder

und beteten es an und taten ihre Schätze auf

und schenkten ihm Gold,

Weihrauch und Myrrhen.

60. Choral

Ich steh an deiner Krippen hier,

O Jesulein, mein Leben;

Ich komme, bring und schenke dir,

Was du mir hast gegeben.

Nimm hin! es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,

Und lass dirswohlgefallen!

61. Recitativo (tenor)

Und Gott befahl ihnen im Traum,

dass sie sich nicht sollten

wieder zu Herodes lenken,

und zogen durch einen andern Weg wieder

in ihr Land.

62. Recitativo (tenor)

So geht! Genug, mein Schatz geht nicht von hier,

Er bleibet da bei mir,

Ich will ihn auch nicht von mir lassen.

Sein Arm wird mich aus Lieb

Mit sanftmutsvollem Trieb

Und größter Zärtlichkeit umfassen;

Er soll mein Bräutigam verbleiben,

Ich will ihm Brust und Herz verschreiben.

Ich weiß gewiss, er liebet mich,

Mein Herz liebt ihn auch inniglich

Und wird ihn ewig ehren.

Was könnte mich nun für ein Feind

Bei solchem Glück versehren!

Du, Jesu, bist und bleibst mein Freund;

Und werd ich ängstlich zu dir flehn:

Herr, hilf! – so lass mich Hülfe sehn!

63. Air (tenor)

Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken;

Was könnt ihr mir für Furcht erwecken?

Mein Schatz, mein Hort ist hier bei mir.

Ihr mögt euch noch so grimmig stellen,

Droht nur, mich ganz und gar zu fällen,

Doch seht! mein Heiland wohnet hier.

64. Recitativo

Was will der Höllen Schrecken nun,

Was will uns Welt und Sünde tun,

Da wir in Jesu Händen ruhn?

65. Choral

Nun seid ihr wohl gerochen

An eurer Feinde Schar,

Denn Christus hat zerbrochen,

Was euch zuwider war.

Tod, Teufel, Sünd und Hölle

Sind ganz und gar geschwächt;

Bei Gott hat seine Stelle

Das menschliche Geschlecht.