Die Elfenkönigin

J. Baroni-Cavalcabò

Was unter'm Monde gleicht

Uns Elfen flink und leicht?

Wir spiegeln uns im Tau

Der sternenhellen Au;

Wir tanzen auf des Baches Moos,

Wir wiegen uns am Frühlingssproß

Und ruhn in weicher Blumen Schoß.

Ihr Elfen auf der Höhn,

Ihr Elfen an den Seen,

Zum taubeperlten Grün

Folgt eurer Königin!

Im silbergrauen Spinnwebkranz,

Umflimmert von des Glühwurms Glanz,

Herbei! herbei zum Mondscheintanz!

Ein Schleier weiß und fein,

Gebleicht im Sternenschein,

Auf kühler Totengruft.

Umwall euch leicht wie Duft!

Durch Moos und Schilf, durch Korn und Hain,

Bergauf, thalab, waldaus, feldein,

Herbei! herbei zum Ringelreihn!

Uns wölbt der Nessel Dach

Ein sichres Tanzgemach;

Ein weißer Nebelflor

Umschleiert unser Chor;

Wir kreisen schnell, wir schweben leicht,

Ein finstres Gnomenheer entsteigt

Dem Erdenschoß und harft und geigt.

Das Mark vom Schmetterling,

Den eine Jungfrau fing,

Das Hirn der Nachtigall,

Stärkt uns zum leichten Ball.

Wir schlürfen froh bei Rundgesang

Und Flötenton und Saitenklang

Aus Blumenkelchen Göttertrank.

Herbei! herbei zum Tanz

Im grauen Spinnwebkranz!

Schnell rollt der Elfen Kreis

Im zirkelrunden Gleis!

Wo ist ein Fuß, der nimmer glitt?

Wir Elfen fliehn mit Zephyrschritt,

Kein Gräschen beuget unser Tritt!