Stille der Nacht
J. Beltjens
Wie eine linde Sommernacht
nach einem Sturm ist mein Gemüte;
horch, in der Fern' die Drossel ruft,
und um mich hauchen süßen Duft
die Blumen all' in Blüte.
Es liegt fern wie ein böser Traum,
was wild mir stürmte durch die Seele
und einst mir fast das Herz zerbrach;
vergessen hab' ich alle Schmach,
vergeben ohne Hehle.
O tiefe Friedenseligkeit!
Ich sinn' und träume wieder gerne.
Wie duftig, still ist rings die Au,
wie prächtig flimmern hoch im Blau
die Millionen Sterne!
Und doch, und doch, wenn in den Bäumen
der Wind leis' rauschend weht,
wie mir ein altes Träumen
scharf durch die Seele geht!
Vergang'ne, schöne Zeiten
voll Licht und Sang und Lieb'
wie bleiche Schatten gleiten
vorüber und grüßen trüb'.
Ich sah sie langsam zerstieben,
all diese irdische Pracht,
und fühl', dass ich einsam geblieben
in tiefer Stille der Nacht!