Herbstgruss
J. Eickhoff
Einen Kranz will ich dir winden,
Der im Wechsel fortbesteht,
Reiche Blüthen für dich finden,
Die kein rauher Wind verweht.
Süßen Tönen will ich lauschen
Tief in meiner Seele Schacht,
Welche nimmermehr verrauschen,
Welche klingen Tag und Nacht.
Alle schönen frohen Stunden
In der Liebe Sonnenglanz,
Da wir höchstes Glück empfunden,
Weih' ich zum Erinnrungskranz.
Und er soll dich dauernd schmücken,
Wenn die Jugend dir entweicht,
Noch die Seele reich beglücken,
Wenn der Wangen Glut verbleicht.
Seliger Gedanken Blüthe,
Die geweckt der Liebe Strahl,
Wandle herrlich im Gemüthe
Dir zum Tag die Nacht der Qual.
Wenn die Leiden dich bedräuen,
Zeige sie in mildem Licht,
Dich zu trösten, zu erfreuen,
Dir ihr holdes Angesicht.
Und das Wort voll Glück und Leben,
Tief und innig, zart und scheu,
Daß du mir dein Herz ergeben,
Und mich liebest warm und treu;
Und der Schwur aus meinem Munde,
Meiner Liebe heilig Wort --
Ach, der Nachhall dieser Kunde
Tönet ewig in uns fort.
Mag die Zeit auch Kränze rauben,
Manchen schönen Klang verwehn,
Unsre Liebe, unsern Glauben
Läßt im Wechsel sie bestehn.
Herbst ist draußen, Stürme wüthen,
Dich zu schmücken find' ich nicht
Einen Kranz von Laub und Blüthen --
Nimm zum Gruße dies Gedicht!