Der Winter floh

J. Hartmann

Der Winter floh, der Lenz erwacht!

Der kurze Tag, die lange Nacht

Verändern sich

So sänftiglich;

Der rauhe Wind, der Sturm aus Nord

Zieht fort.

Man wird von Schnee und Regennoth

Nicht mehr auf Schritt und Tritt bedroht;

Drum laßt uns gehn

Hinaus, zu sehn

Wie lieblich die Natur sich macht

Und lacht.

Seht, wie sich schmückt die Sonne rar

Mit langen Strahlen rings im Haar;

Der warme Kranz

Gibt Licht und Glanz

Dem Feldern, die in jungem Grün

Erblühn.

Die Vöglein seht aus Hain und Kluft

Im weiten Sommersaal der Luft;

Nach Moos zum Haus

Fliegt eines aus,

Das andre klebt ein Hälmchen fest

Ans Nest.

O seht, wie herrlich anzuschaun

Des Waldes grüne Augenbraun!

Wie leuchtet's schön

Von allen Höhn!

Es schmückt der Lenz die Buche traut

Als Braut.

Dort wacht der Hirt bei Vieh und Korn,

Ein Hundeblaff, ein Stoß ins Horn

Ist ihm Musik.

Doch horch! zurück

Erschallt der Ton, den wiederhallt

Der Wald.

O seht, wie spiegelhell die Flut

Des See's in sanftem Traume ruht...