An einem Tage, welcher herrlich glühte
J. Müller-Hermann
An einem Tage, welcher herrlich glühte,
da Sonne über unsern Häuptern war
und Blüten wogten und die Wipfel wogten
und Duft des Frühlings ging und alle Wonne,
da sah ich, Schwester, dich das letzte Mal.
Da schrittest du so schlank und hell gewandet
und wie im Traume neben deinem Freund,
und deine Blicke nur klagten ein Wehe,
und deine Lippen blieben so geschlossen,
und nur ein Schweigen kam das letzte Mal.
Da sprach ich von den Tagen, welche gingen,
von Seligkeiten uns'rer heil'gen Stunde,
bis deine Augen leuchten in Gedenken
und deine scheuen Lippen sich eröffnen
und Rede kam von dir das letzte Mal.
Und als der Wolken Röte tiefer schwoll
und Sehnen schwoll, und alle Vögel sangen
und abendlicher Duft gelinde wallte
und Strömen war und Glühen selig, selig,
da auf dem letzten Gange du und ich,
da wurde selig unser letzter Gang.
In Eines strömten wir das letzte Mal.