Zum Sylvester

J. Pache

Das Jahr geht still zu Ende,

Nun sei auch still mein Herz.

In Gottes treue Hände

Leg ich nun Freud und Schmerz,

Und was dies Jahr umschlossen,

Was Gott der Herr nur weiß,

Die Thränen, die geflossen,

Die Wunden brennend heiß.

Warum es so viel Leiden,

So kurzes Glück nur giebt?

Warum denn immer scheiden,

Wo wir so sehr geliebt?

So manches Aug gebrochen

Und mancher Mund nun stumm,

Der erst noch hold gesprochen -

Du armes Herz, warum?

Daß nicht vergessen werde,

Was man so gern vergißt:

Daß diese arme Erde

Nicht unsre Heimat ist.

Es hat der Herr uns allen,

Die wir auf ihn getauft,

In Zions goldnen Hallen

Ein Heimatrecht erkauft.

Hier gehen wir und streuen

Die Thränensaat ins Feld,

Dort werden wir uns freuen

Im sel'gen Himmelszelt.

Wir sehnen uns hienieden

Dorthin ins Vaterhaus

Und wissen's: die geschieden,

Die ruhen dort schon aus.

O, das ist sichres Gehen

Durch diese Erdenzeit:

Nur immer vorwärts sehen

Mit sel'ger Freudigkeit.

Wird uns durch Grabeshügel

Der klare Blick verbaut,

Herr, gieb der Seele Flügel,

Daß sie hinüberschaut!

Hilf du uns durch die Zeiten

Und mache fest das Herz;

Geh selber uns zur Seiten

Und führ uns heimatwärts!

Und ist es uns hienieden

So öde, so allein,

O laß in deinem Frieden

Uns hier schon selig sein!