Auf das erste Veilchen

J. Rösler

Sey mir gegrüßt, der Frühlingskinder

Geliebter Erstling! -- Find ich dich? --

Hab' Dank, daß du dem Schlaf geschwinder

Entflohst, und blühtest hier für mich.

Im dunkeln Thal, am kleinen Quellchen

Blühst du im trauernden Gewand;

Dich tränkten kleine Silberwellchen,

Und Morgenthau, bis ich dich fand.

Du, meines Lebens Bild, verborgen

Und ungesehen duftest du

Nur wen'ge kühle Frühlingsmorgen,

Und eilst dann der Verwesung zu.

Und schlummerst dann, geliebtes Veilchen,

Und wo du schlummerst, keimen schon

Jezt unbemerkt noch junge Veilchen,

Und eilen auch, wie du, davon.

Wenn sink' auch ich im süssen Schlummer

Des Blumentodes still dahin?

Wenn wird nach ausgeweintem Kummer

Auf meinem Grab' ein Veilchen blühn?

Schon seegn' ich den vergeßnen Hügel,

Und grüße froh mein wartend Grab. --

Umschatte mich mit deinem Flügel,

O Tod des Frommen.' -- Brich mich ab!