Trinkspruch

J. Schnegg

Reich' mir den Becher voll perlenden Weines,

Den Du soeben vom Munde gesetzt,

Der mit dem Strahl seines goldigen Scheines

Dir Deine Lippen glühend benetzt.

Dein Wohl! Und wie sich das Schicksal auch wende:

Auf ewige Lieb' ohne Wanken und Ende.

Nun hab' ich den Becher geleert bis zum Grunde,

Nun fühl ich's brennen in mir, mein Kind,

D'rum reiche von Deinem rosigen Munde

Mir jetzt auch die holdeste Labung geschwind.

Und ob man den Fluch d'rüber tausendmal schriebe:

Süß ist doch der Wein, und noch süßer die Liebe!