Der Mummelsee

J. Söderman

Hoch auf dem Tannenberge

Da ist ein schwarzer See,

Und auf dem See da schwimmet

Ein Röslein, weiß wie Schnee.

Es kommt ein Hirtenknabe

Mit einem Haselstab:

»Das Röslein muß ich haben,

Das Röslein brech' ich ab!«

Er zieht es mit dem Stabe

Wohl an den Binsenrand,

Doch aus dem Wasser hebet

Sich eine weiße Hand.

Sie zieht das Röslein nieder

Tief in den dunkeln Grund:

»Komm, lieber Knab', ich mache

Dir viel Geheimes kund!«

»Im See am Boden wurzelt

Das Röslein, das du liebst.

Da will ich dir es brechen,

Wenn du dich mir ergiebst.«

Den Knaben faßt ein Grauen,

Er eilt hinweg vom See,

Doch immer ist sein Sinnen

Das Röslein weiß wie Schnee,

Er irret durch die Berge;

Der Gram das Herz ihm frißt,

Und Niemand weiß zu sagen,

Wo er geblieben ist.