Beruhigung
J. Sterkel
Wann, o Mond, in deinem Strahle
Kummervoll dein Auge weint,
Weil im öden Erdenthale
Mir kein Trost entgegen scheint;
Wann mein Blick in Dorngewinden
Dunkler Zukunft ängstlich irrt,
Und den Ausgang einst zu finden
Jede Hoffnung sich verwirrt;
Und mein Aug' aus trüber Ferne
Dringet bis in jede H&oulmhn,
Wo sich Miriaden Sterne
Durch das große Weltall drehn:
Dann entfliehn die bangen Sorgen,
Seelenruhe kehrt zurück!
Und wie heitrer Frühlingsmorgen
Lächelt Hoffnung meinem Blick.
Der in jener weiten Leere
Sonnen-Massen flammen hieß,
Und von Wurme bis zum Sphäre
Jedem seine Stelle wies --
Er bestimmte deine Tage,
Gott ist's der dein Schicksal lenkt!
Er höt mitleidsvoll die Klage,
Sieht den Kummer, der dich kränkt.
Nun so sei dann Noth und Leiden,
Hier am Grabe stets mein Theil,
Sei mein Pfad -- entfernt von Freuden,
Dornicht, thränenvoll und steil!
Leg' ich ihn doch bald vorüber,
Schnell entflieht des Lebens Traum;
Heil! dann eilt mein Geist hinüber
In des Himmels weiten Raum!
Mischt sich in die Jubel-Chöre
Jener bessern Himmels-Welt,
Wo nicht mehr der Wehmuth Zähre
In der Freude Becher fällt.
Losgebunden von den Bande
Das mich hier ans Niedre schloß,
Bin ich dort im Geisterlande
Engel, frei wie ihr, und groß!