Erinnerung

J. Sterkel

Am Seegestad', in lauen Vollmondnächten,

Denk' ich nur dich!

Zu deines Namens goldnem Zug verflechten

Die Sterne sich.

Die Wildniß glänzt in ungewohnter Helle,

Von dir erfüllt;

Auf jedes Blatt, in jede Schattenquelle

Malt sich dein Bild.

Gern weil' ich, Grazie, wo du den Hügel

Hinabgeschwebt,

Leicht, wie ein Rosenblatt auf Zephyrs Flügel

Vorüberbebt.

Am Hüttchen dort bekränzt' ich dir, umflossen

Von Abendgluth,

Mit Immergrün und jungen Blüthensprossen

Den Halmenhut.

Bei jedem Lichtwurm in den Felsenstücken,

Als ob die Feen

Da Tänze webten, riefst du voll Entzücken:

Wie schön! wie schön!

Wohin ich blick' und geh', erblick' ich immer

Den Wiesenplan,

Wo wir der Berge Schnee mit Purpurschimmer

Beleuchtet sahn.

Ihr schmelzend Mailied weinte Philomele

Im Uferhain;

Da fleht' ich dir, im Blick die ganze Seele:

Gedenke mein!