Friesen

J. Stern

Es thronet am Elbestrande

die stolze Magdeburg,

ihr Ruhm drang durch die Lande

ihr Unglück auch hindurch.

Als Tilly einst dem Feuer

zu tilgen sie gebot,

trug sie den Wittwenschleyer,

war ihre Schöne todt!

Sie mag ihn wieder nehmen,

Ihr starb ihr bester Sohn,

er gieng, ein großer Schemen

hinauf vor Gottes Thron.

Da hießen gleich den Frommen,

der kam aus heil'gem Streit,

die Englein alle willkommen

zur ewigen Himmelsfreud.

Wohl Viele sind gepriesen

im hohen teutschen Land,

doch dich, mein frommer Friesen,

hat Gott allein gekannt.

Was blühend im reichen Herzen

die Jugend hold umschloß,

ist jedem Laut der Schmerzen,

ist jedem Lob zu groß.

War je ein Ritter edel,

du warst es tausendmal,

vom Fuße bis zum Schädel

ein lichter Schönheitsstrahl.

Du hast mit kühnem Sinne

nach Freyheit wohl geschaut,

das Vaterland war Minne,

war Liebste dir und Braut.

Du hast die Braut gewonnen

im ritterlichen Streit,

dein Herzblut ist geronnen

für die viel edle Maid;

von welschen grimmen Bauern

empfiengst du Todesstreich,

drob wohl Jungfrauen trauern,

der Schönheit Blum ist bleich.

Schlaf still und fromm in Treue

Bis an den jüngsten Tag,

wo sich ein Morgen neue

dir wieder röthen mag.

Es blüht um deinen Frieden

Gedächtniß golden schön,

im Sieg war dir beschieden

fürs Vaterland hinnen zu gehn.