Die Andersdenkenden

K. Hanke

Wohlan, wir bleiben einig

und gönnen uns die Ruh'!

Ich sage, dieses mein' ich,

und jenes meinest du.

Scheint künftig, was ich meine,

dir gar zu wunderlich,

so denk', ob's anders scheine

mir selbst, und fasse mich.

Die Worte, Lieber, haben

oft mancherlei Verstand;

oft hat man tief gegraben,

bis man den rechten fand.

Oft seh'n wir nur Erscheinung,

die wir uns selbst verrückt,

wie besser sich die Meinung

zum Widerlegen schickt.

Ich pflegte sonst doch billig

besonnen noch zu sein,

und jetzo tappt' ich willig

in Albernheit hinein?

Doch nimmer werd', als töricht,

was mir vernünftig scheint,

geworfen in den Kehricht;

nur nicht als bös', mein Freund!

Dein Bruder meint's, du Lieber,

mit Gott und Menschen gut.

Sonst, sage mir, wie hüb' er

so fröhlich Aug' und Mut?

Lass denn die bösen Namen

auf -auer, -ist und -at!

Sie streu'n des Bösen Samen

und dämpfen Rat und Tat.

Die Summe der Vereinung:

Der Gegner sei geehrt!

Verfolgt sei nur die Meinung,

die freie Meinung stört!

Komm, edler Freund, wir brechen

den Bissen Salz und Brot

und geh'n dabei, und sprechen!

O sieh' das Abendrot!