Das Lied von der roten Fahne

K. Pick

Wenn das Volk aus Kellern und Schächten

Aufstand, aus den Kasernen des Tods,

Stand sie über den rauchenden Nächten,

Erste Flamme des Morgenrots.

Über, über Straßen und Plätzen

Rief sie das Volk zum Appell,

Über, über Blut und Entsetzen

Stand sie verkündend und hell.

In des Kampflied der Arbeitergarden

Brauste sie ihren Feuerfluch.

Über den Särgen der Kommunarden

Lag sie, ein blutendes Leichentuch.

Doch sie erhob sich wieder über

Vernichtung und Pest,

In den Herzen der Brüder

Feuriges Manifest!

Immer wieder im Kampf sich erneuernd

Rief sie die Massen zum Widerstand.

Immer den Schritt des Aufruhr befeuernd,

Ging sie im Kampfe von Hand zu Hand.

Oft zertreten, zerschossen,

Fiel sie in Blut und Dampf.

Aber die letzten Genossen

Trugen die Fetzen zum Kampf.

Ein Volk hat sie zum Siege getragen,

Das ein Sechstel der Erde bewohnt,

Hat die Schänder des Rechts erschlagen,

Hat die Feinde des Volks entthront.

Und von seinen Bastionen

Flammt die Fahne ins Land

Der erwachten Millionen,

Die ihre Götzen verbrannt.

Das ist das Lied von der roten Fahne,

Die den entbrennenden Morgen verkündet,

Das über Länder und Ozeane

Aller Bedrängten Herzen entzündet.

Einmal, einmal, nach all den Stürmen,

Wenn sich, wenn sich die Blutnacht erhellt,

Rauscht sie, rauscht sie von allen Türmen

Einer, einer eroberten Welt!