Die Nachbarin
K. Reissiger
Mein Stübchen ist mir lieber
Als aller Säle Pracht,
Sie wohnt mir gegenüber,
Mein Stern in dunkler Nacht!
Ich kann hinüber blicken,
Ich seh' ihr hold Gesicht,
Und ach, ihr freundlich Wesen,
Gibt Hoffnung mir und Licht.
Am offnen Fenster stehen
Der Frühlingskinder viel,
Und hinter diesen Blumen
treibt sie ihr loses Spiel.
Doch sinkt der Abend nieder
Und schweiget das Gewühl,
Dann tönet meine Laute,
Und sie lauscht meinem Spiel.
Ich sing' mit bangem Herzen
Dann oft: ich liebe dich!
Da wiederholt ein Echo
Gar sanft: ich liebe dich!
O Echo, süße Stimme!
Wie dringt dein Ton in's Herz,
Seit du mir nachgesungen,
Durchbebt mich Freud' und Schmerz.
Jüngst sah ich sie am Fenster
Bei hellem Mondenschein;
Da schlug das Herz mir höhre,
Ich rief: o wärst du mein!
Sie sah zu mir herüber,
Das Aug' voll Liebesschein,
Und flüsterte durch Blumen
Wie Echo: ewig dein!