Himmel auf Erden

K. Reissiger

Was weht und rauscht so wunderbar

durch meine Seele tief?

Mein Herz an einem Bächlein klar

in seel'gen Traum entschlief;

von einem Sternenkranz umflossen

naht auf des Lichtes goldnen Sprossen

ein Engelchor.

Sie schaaren sich zum holden Kreis,

sie deuten himmelwärts.

Mit Saitenspiel und Palmenreis

begrüssen sie mein Herz.

Und bei des Grusses Festaccorden

Dünkt mich, ich sei ein Engel worden;

Den Seel'gen gleich.

Mein Auge sich mit Tränen füllt

ob nie empfundner Lust,

im Meer von neuen Wonnen schwillt

die sehnsuchtsbange Brust.

Den Himmel seh'ich ausgebreitet,

und von der heil'gen Schaar geleitet

schweb' ich empor.

Kennt ihr die seel'ge Geisterschaar,

die sich zu mir gesellt? --

Die Töne sind es wunderbar,

die meine Brust geschwellt!

O flüchtet nur zum Quell der Lieder,

der Himmel senkt sich zu euch nieder

und nimmt euch auf!