Verbot
K. Reissiger
Gerne sitz' ich still allein
In dem milden Mondenschein
Abends vor der Thür;
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Doch geh' ich, so oft ich kann.
Kömmt zu mir ein feiner Mann,
Spricht so hold mit mir.
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Ob es wirklich Sünde ist,
Wenn der Mann mich zärtlich küßt?
Möchte zweifeln schier!
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Und doch schmeckt ein Kuß so süß,
Zaubert mich in's Paradies
Von der Erde hier.
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Ach! wie gern reich' ich die Hand
Ihm zum Liebesunterpfand!
Glücklich wären wir!
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Und doch bin kein Kind ich mehr.
Oft wird mir das Herz so schwer,
Kann doch nichts dafür.
Doch die Ältern mir's verbieten,
Soll daheim die Stube hüten.
Nur Geduld! in einem Jahr
Trag' ein Kränzchen ich im Haar,
Froher Bräute Zier!
Ob's die Ältern auch gebieten,
Kann nicht mehr die Stube hüten!