Hochzeitsmorgen

K. Rötscher

Auf einer Woge durch die Nacht getragen

In einem Meere des Begehrens

Erwacht der Morgen blaß und fahl.

Nie sollst du um die Träume fragen,

Um all' die Trauer des Verwehrens,

Du Liebster, die noch einmal

Sich qualenvoll in meine Sinne stahl!

Ich habe nur dies Eine zu vergeben,

Den Glanz aus meinen Mädchentagen,

Der sich dem Meere blind vertraut.

Mein ganzes Lieben und mein Leben,

Als reine Flut soll es verschäumen,

Im Traume nur und volle Scham geschaut,

Soll wirklich es nun sein und brennen laut.