Der Einsame an Gott

K. Schwarz

Einsam steh ich, vom Wind gezerrt,

Ungeliebt und verlassen

In der feindlichen Nacht.

Schwer ist mein Gemüt und voll Bitterkeit,

Wenn ich Deiner gedenke,

Blinder Gott, der voll Grausamkeit

Immer das Unbegreifliche tut.

Warum lässest Du, wenn Du die Macht hast,

Warum lässest Du Hunde und Säue

Eines Glückes genießen, das nie

Dem verschmachtenden Edleren wird?

Warum peitschest Du mich, der Dich liebte,

Jagst mich allein durch die Nacht,

Warum raubst Du mir alles,

Was Du doch jedem Erbärmlichen gönnst?

Selten hab ich geklagt, und seltner

Dir im Unmut geflucht,

Jahrelang in gläubiger Priesterschaft

Lebte ich Dir, nannte Dich Herr und Gott,

Sah in Dir meines Daseins Krone und Sinn;

Immer ging ich, ob auch im Dunkeln oft,

Tastend dem Guten nach, immer war Liebe,

Immer Güte und Reinheit mein hohes Ziel.

Dennoch hast Du, der meinen Feinden schmeichelt,

Niemals mir einen einzigen Traum,

Eine einzige Bitte erfüllt!

Niemals kannt ich andres als Kampf und Arbeit,

Während drüben im Hause der Fröhlichen

Laute und Tanz und süßer Gesang erscholl.

O und wie hast Du, mein Peiniger,

Wenn ich einmal in blinder Hoffnung

Zärtlicher Liebe mein Herz voll Vertrauen bot,

Wie hast Du mit Spott und Verachtung mich überschüttet,

Daß ich grimmig entfloh, vom Gelächter der Frauen verfolgt!

Einsam nun und ohne Glauben an Glück

Schlaflos bei Nacht und am Tage des Zweifels Raub

Geh ich gottlos durch diese Welt,

Mir zur Qual und Dir zu trauriger Schande.

Trotzdem, o Gott, wenn auch Dein Finger tief

Und voll blinder Wollust in meiner Wunde wühlt,

Trotzdem sollst Du mich nicht verzagen,

Nicht im Staube knieen und weinen sehn.

Denn Dein heimlichster Wunsch, Grausamer,

Tönt ja doch unbesiegbar im Herzen mir,

Und das Leben zu lieben,

Und das sinnlose Leben wild und sinnlos zu lieben

Hab' ich in aller Verfolgung,

Aller Versuchung niemals völlig verlernt.

Dich sogar und Deine launischen Wege

Liebt mein Herz, indem es Dich trotzend höhnt.

Ja, ich liebe Dich, Gott, und ich liebe

Heiß die verworrene Welt, die du schlecht regierst

... Horch! Von drüben, wo die Fröhlichen sind,

Weht mir Lied und Gelächter,

Weiberschrei und silbernes Bechergeläut.

Aber mit tieferer Wollust,

Süßer und trunkener glüht als diesen Genügsamen

Mir die Liebe zum Leben

In der glücklos hungernden Brust.

Und ich schüttle zornig

Aus den schlaflosen Augen die Müdigkeit,

Trinke Nacht und Wind, Sternschein und Wolkengebirg

Gierig mit atmenden Sinnen

In die unersättliche Seele ein.