Liebeserscheinung

K. Seckendorff

Denk, Liebchen! Denk! Auch fern von dir

kann ich mit dir noch seyn;

denn du erscheinest täglich mir,

du laß'st mich nie allein;

mit mir besichest di den Wald,

du irrst mit mir im Thal,

und deine liebliche Gestalt

verfolgt mich überall.

Kömmt nur ein Lüftchen von dir her,

so wird mirs wohl und warm,

stoß ich an was von ohngefer,

gleich dünkt mich, 's wär dein Arm.

Die ganze Gegend spricht von dir;

So weit mein Aug mich trägt,

seh ich auf jedem Gräschen schier

dein süßes Bild geprägt.

So, Liebe, bleib ich dir getreu,

treu der geschwornen Pflicht;

auch nicht ein Stündchen geht vorbey,

wo ich dein dächte nicht:

Am vollen Tisch im bunten Kreis

Schwebst du mir in dem Sinn,

und alles drängt sich zum Beweis,

daß ich ganz dein noch bin.