Erscheinung
K. Weigl
Wenn im Tale längst der Schatten des Abends lag,
wenn ein schläfernder Wind hin über die Müden strich
und die Wimper -- ach! wie willkommen! -- uns sank
-- denn: wer sind wir, daß wir des Lichtes Quell
immerströmend begehrten und nimmer uns
Dunkel erquickte, des
lächelnd verachtenden Gottes Geschenk? --
wenn der Tiefen Ruf beklommener schweigt
und das Warten ob den Talen schwebt,
still eratmend schwebt ruh'gen Berg hinan,
wenn ihr Auge die Nacht, tränenverklärtes Aug',
langsam,
langsam eröffnet,
der Geliebtesten gleich,
welcher Verheißung ruht, aber auch Schwermut im Blick:
dann ― o Stunde der Feier,
dann erwachest auch du!
Schreitest von Abendrotgipfel zu Gipfel hinüber,
seligen Lichtes beströmt, das über Höhen schlief,
-- längst, ach! längst deckt tief uns Finsternis --,
schreitest von Gipfel zu Gipfel beseligten Gangs,
tráufst aus gerafftem Kleid die Segnung der Nacht,
tráufst unsern durstenden Lippen Schlaf und Traum,
mitleidvoll, doch nimmer uns winkend, in Glühn.
Dir aber schimmert des Gipfels Schneegefild
milden Grußes entgegen,
dir auch jauchzt
zackiger Gletscher Glanz,
dir auch hebt sich der Mond
spendenden Antlißes auf
und der Gestirne wandelnde Pracht.
O, was ist sie uns mehr
denn deinem Scheitel der Kranz!