Die Ballade vom ertrunkenen Mädchen

Weill, Kurt

Als sie ertrunken war und hinunter schwamm

Von den Bächen in die größeren Flüsse

Schien der Opal des Himmels sehr wundersam

Als ob er die Leiche begütigen müsse.

Tang und Algen hielten sich an ihr ein

So dass sie langsam viel schwerer ward.

Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein

Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.

Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch

Und hielt nachts mit den Sternen das Licht in Schwebe.

Aber früh ward er hell, dass es auch

Noch für sie Morgen und Abend gebe.

Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war

Geschah es (sehr langsam), dass Gott sie allmählich vergaß.

Erst ihr Gesicht, dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar.

Dann ward sie Aas in Flüssen mit vielem Aas.