Ich bin die Christel von der Post

K. Zeller

Ich bin die Christel von der Post;

Klein das Salär und schmal die Kost.

Aber das macht nichts, wenn man noch jung ist -

Wenn man nicht übel, wenn man im Schwung ist.

Ohne zu klagen

Kann man's ertragen.

Wenn man dabei

Immer lustig und frei!

Bin ja die Christel von der Post!

Mein Amt ist herrlich,

Wenn auch beschwerlich.

Auf die Adresse kommt viel an;

Wenn's ein galanter,

Recht ein charmanter

Wird es fatal oft dann und wann.

Statt Rezepisse

Gäb' er gern Küsse;

Pfiffig jedoch benehm' ich mich da!

Lass' ihn vor allem

's Porto erst zahlen.

Sage dann lachend zu ihm: ja, ja!

Einen Kuss

Wenn ich muss.

Nur nicht gleich, nicht auf der Stell'

Denn bei der Post geht's nicht so schnell

Mein Schatz, der Adam aus Tirol,

Liebt mich unbändig, glaub's ihm wohl.

Ob er mir treu ist, will ich nicht fragen,

Dass er kein Geld hat, das kann ich sagen.

Seh' ich ihn wieder,

Pocht's mir im Mieder,

Wird mir so dumm

Und ich weiß nicht warum?

Bin halt die Christel von der Post.

Er meint es ehrlich,

Fragt unaufhörlich

Wann ich ihm folge zum Altar.

Er sagt: «Ich nehm' dich.»

Ich sage: «Schäm dich!»

Wären doch komisch wir als Paar.

«Du hast zu wenig,

Ich keinen Pfennig-

Denke nur, wenn einst Kinder da!»

Treibt in die Enge

Mich sein Gedränge,

Sage ich lachend zu ihm: «Ja, ja!

Muss es sein,

Werd' ich dein;

Nur nicht gleich, nicht auf der Stell',

Denn bei der Post geht's nicht so schnell!»