Auf den Tod eines Kindes

K. Zelter

Selig, o Mutter, wer stirbt! Ja, selig! Drum wehre der Trauer!

Missest mit Schmerzen du mich, miss' ich den irdischen Schmerz.

Lächelnd begrüß' ich das Grab, und sanft empfängt mich die Erde;

Dir, o Mutter, vom Arm sink' ich der Mutter im Schoß.

Bin ich zu früh nur gereift, der Himmel auch will junge Blüten,

er weiß am besten, was frommt, der alle Wesen versieht.

Du aber suchest das Herz, von deinem Herzen geboren;

o welche himmlische Lust, findet die Mutter das Kind!

O des vergeblichen Leids, wenn sich die Wachenden kränken,

dass nicht die Schlafenden noch wachen und leiden wie sie!

Lebt doch der Mutter das Kind, ihr lebt es im liebenden Herzen,

nimmer entführt es aus ihm, nimmer entführt es der Tod!

Größe des Schmerzes, sie lehrt der Liebe Größe dich kennen,

und der Erkennenden wird selbst die Trauer zum Trost;

eigen, o seliges Los, jetzt eigen bin ich dem Himmel,

aber der Himmel durch mich, Mutter, der Himmel ist dein.

Darum o zürne nicht ihm, der mich zum Engel verklärte,

hemme der Tränen Erguss, sind es nicht Tränen des Danks!

Traue dem tröstenden Wort: Lieb' ist es, göttliche Liebe,

die mich, o Mutter, dir gab, die mich, o Mutter, dir nahm.