An Myrtill
L. Abeille
Mirtill! wenn deine Lippen mich berühren,
Dann will die Lust die Seele mir entführen;
Ich fühl' ein sanftes, namenloses Beben
Den Busen heben.
Mein Auge flammt, und meine Wangen glühen,
Mein Herze schlägt, und scheint empor zu fliehen,
Die Seele weiß auf trunkner Lippen Stammeln
Sich kaum zu sammeln.
Mein Leben hängt, in einer solchen Stunde,
An deinem feurig nektarvollen Munde,
Und will, bey deinem trauten Armumfassen,
Mich fast verlassen.
O daß es sich nicht ausser sich kann schwingen,
Die Seele ganz in deine Seele dringen!
Daß doch die Lippen, die voll Sehnsucht brennen,
Sich müssen trennen!
Daß meine Seele nicht der Orcus fodert,
Wenn sie voll Gluth auf deinen Lippen lodert,
An deinem Herzen hängt, das nie auf Erden
Darf meine werden!