Gesang

L. Abeille

Gott! Für des Gesanges Gabe

Sei dir hoher Dankt geweiht.

Sang versüßt uns Lust und Leid

Von der Wiege bis zum Grabe.

Segenvoll und ruhebringend

Muß wohl ein Naturlied sein:

Guten Mütter lullen singend

Ihren holden Säugling ein.

Ihren zarten Liebling schaukeln

Mütter singend auf dem Knie.

Ach, ihm werde Lenze nie

Künftig so vorübergaukeln. --

Schön erklingt zur Hirtenflöte

Junger Schäferinnen Chor,

Und im Glanz der Abendröthe

Steigt der Schnitter Lied empor.

Hier beim stillen Hochzeitfeste

Spornt des Jünglings Hang und Drang,

Bis zum frohen Rundgesang

Sich vereinen alle Gäste.

Seht, die stummen Träger ziehen

Weinend mit der Leiche dort

Unter Trauermelodien

Zu der letzten Heimath fort.

Fernher aus des Domes Hallen

Hört zum ernsten Orgelklang

Feierlichen Bußgesang

Tief gerührt der Pilger schallen.

Auf! ihr Vaterlandessöhne;

Laßt uns Deutsche sein und frei.

Magisch locken Kriegestöne

Euch zu Kampf und Sieg herbei.

Paradieses Zauberklänge

Hört, wer stirbt, in Phantasie'n,

Ach, und dort empfangen ihn

Himmlischer Triumphgesänge. --

So geleitet bis zum Grabe

Uns Gesang in Lust und Leid.

Gott! für des Gesanges Gabe

Sei dir hoher Dank geweiht.