Die Blumen

L. Giżycka-Zamoyska

Blumen, freundliche Kinderchen ihr,

Wie liebt euch die Erde so warm!

Wohl seid ihr der Mutter lieblichste Zier,

Drum trägt sie euch schützend im Arm.

Und brauset der Herbstwind durch Felder und Wald

So rauh und kalt,

Dann hält sie mit zartlichem Sorgen

Euch tief in dem Schooße verborgen.

Blumen, freundliche Kinderchen ihr,

Dann schlaft ihr der Mutter im Arm!

Sie heget und pfleget euch euch für und für

Bis Lüftchen im Lenze so warm.

Dann schlüpft ihr hinaus in die sonnige Welt,

In Busch und Feld,

Und lasset mit wonnigem Lächeln

Euch wieder von Westen umfächeln.

Blumen, freundlichen Kinderchen gleich,

Froh küssen euch Quellen den Fuß,

Und Vöglein, tändelnd durch Waldesgesträuch,

Sie bringen in Liedern den Gru&szig.

Und gehet die herrliche Sonne dort auf,

In ihrem Lauf

Blickt strahlend so warm sie hernieder

Und küsset euch Blümelein wieder.

Bienen kommen in freudiger Hast,

Lang' haben sie euch nicht geschaut,

Bitten sich summend und brummend zu Gast,

Der Schmetterling grüßt euch vertraut.

Vor Allen der Mensch mit der fühlenden Brust,

In stiller Lust,

Begrüßet euch Lieblichen wieder,

Euch weihend die schönsten der Lieder.

Blumen, dankend drum öffnet ihr auch

Den würzigen, duftenden Schooß,

Und lebenerfrischender, stärkender Hauch

Reißt statt der Sprache sich los. --

So lebt ihr mit heiterem, liebendem Sinn

Im Lenze hin,

Und wehet der Nordwind hernieder,

So kehret zur Mutter ihr wieder.