Der Blume Trost
L. Liebe
Es blühet manche Blume
Im Thal und auf den Höh'n,
Im Waldesheiligthume
So lieb, so wunderschön.
Kein Menschenauge schauet
Der Blumen sanftes Glüh'n,
Kein Menschenherz erbauet
Der Blumen heimlich Blüh'n.
Doch Einer sieht hernieder,
Der kennt sie ganz genau,
Und netzt sie täglich wieder
Mit seinem Himmelsthau.
Und geht er durch die Fluren
Voll seiner Majestät,
Folgt Segen seinen Spuren,
Wohin sein Athem weht.
Dann gießet jede Blüthe
Hin in die Frühlingsluft
Dem Herrn der ew'gen Güte
Den süßen Weihrauchduft.
Ob auch kein Menschenauge
Die zarte Blüthe kost, --
Daß sie dem Schöpfer tauge,
Das ist der Blume Trost.