Die Frau vor dem Spiegel

L. Michielsen

Nun ruht sie mit gelöstem, schwerem Haar

Vor ihrem Spiegel und starrt lange in

Den Vollmond. Durch den Vorhang fließt das Licht

Und glitzert durch die stille Kammer hin

Wie ungezählte kleine Jadeperlen.

Was tut das Kind? Sie kämmt die üppigen Wellen

Des Haares nicht; sie zieht den Vorhang auf:

Und blütenweiß liegt rings die Landschaft da,

Begossen von dem Silberlicht des Mondes,

So wie der weiße Leib des schönen Kindes

Verborgen in der stillen Kammer blüht...