Wartburg Heimweh
L. Samson
Wo ich streife, wo ich jage,
Bleibt ein Wunsch mir ungestillt,
Weil ich stets im Sinne trage
Wartburg, deiner Schönheit Bild.
In des Forst's umlaubtem Grunde,
In der Thalschlucht dunklem Graus
Sehnt das Aug' zu jeder Stunde
Sich nach Dir, mein "Herz-ruh-aus!"
Hei, nun ist der Grat erstiegen,
Der sich hub als Scheidewand,
Und ich seh' dein Banner fliegen
Fern um schmalen Felsenrand.
Gleich erregten Meereswogen
Sträubt sich Berg an Berg empor,
Deiner Mauern lichter Bogen
Ragt als Leuchtthurm drüber vor.
Und ich kenn' aus luf'ger Ferne
Jedes Stück des stolzen Bau's,
Bergfrid, Zwinger und Zisterne,
Palas, Thor und Ritterhaus!
Und ich grüß' die kleine Lücke
In de Thurmes hoher Wand,
Wo ich mir und meinem Glücke
Eine zweite Heimath fand.