Das heimliche Lied

L. Spohr

Es gibt geheime Schmerzen,

Sie klaget nie der Mund,

Getragen tief im Herzen

Sind sie der Welt nicht kund.

Es gibt ein heimlich Sehnen,

Das scheuet stets das Licht,

Es gibt verborgne Tränen,

Der Fremde sieht sie nicht.

Es gibt ein still Versinken

In eine innre Welt,

Wo Friedensauen winken,

Von Sternenglanz erhellt,

Wo auf gefallnen Schranken

Die Seele Himmel baut,

Und jubelnd den Gedanken

Den Lippen anvertraut.

Es gibt ein still Vergehen

In stummen, öden Schmerz,

Und Niemand darf es sehen,

Das schwergepreßte Herz.

Es sagt nicht was ihm fehlet,

Und wenn's im Grame bricht,

Verblutend und zerquälet,

Der Fremde sieht sie nicht.

Es gibt einen sanften Schlummer,

Wo süßer Frieden weilt,

Wo stille Ruh' den Kummer

Der müden Seele heilt.

Doch gibt's ein schöner Hoffen,

Das Welten überfliegt,

Da wo am Herzen offen

Das Herz voll Liebe liegt.