Mutterliebe

L. Stein

Wohl liebt der Meergott seine Edelsteine,

Die in des tiefen Meeres dunklen Wellen

Von Jahr zu Jahr zu gröss'ren Schätzen schwellen,

Und freuet sich an ihrem lichten Scheine,

Doch reicht an meine Liebe, Kind, wohl keine,

Und bitter muss mir's jede Lust vergällen,

Wenn alle Träume gaukelnd vor mich stellen

Dein täuschend Bild, um das ich ewig weine.

Dein Antlitz mit den schräggeschwung'nen Brauen

Schwebt stets mir vor, seitdem du mit dem Gatten

Gezogen bist nach Koshi's öden Gauen.

Doch fühl' ich schon das Alter mich ermatten,

Und früher noch, als wir uns wiederschauen,

Wird man vielleicht dein Mütterchen bestatten.