Das Veilchen

Liszt, Franz

Spende, Veilchen, deine Düfte

zu Marias Preis und Ruhm,

statt des Weihrauchs, statt der Myrrhen

bring'ich dich in's Heiligthum.

Eitler Prunk und bunt Geschmeide

sind nicht deiner Schönheit Zier,

in dem einfach blauen Kleide

prangst du edler als Saphir.

Stille blühst du und bescheiden

deiner Tugend unbewusst,

einsam willst du gerne wohnen

aller Menschen Freud und Lust.

So auch blüthest du, Maria,

einsten als des Herren Braut,

Gott hat aller Welten Segen,

alle Himmel dir vertraut.

Keusche Jungfrau, Himmelspforte,

lass mich wie das Veilchen sein,

ohne Stolz und ohne Hoffart

stets bescheiden, keusch und rein.

Lass mich wie die blauen Blümchen

immer sanft sein, fromm und gut,

dir, Maria, stets zu Ehren

leben unter deiner Hut.