Gulhinde am Putztische
C. Loewe
Reich' mir den Schleier, Emina,
Den weichen blumendurchwirkten Schleier,
Den mir der Vater aus Lar gesandt.
Reich' mir den flammenden Demantgürtel,
Daß ich um's Faltengewand ihn schmiege,
Schwellender wallt dann der seidene Stoff.
Reich' mir den Tulbend, den Perlenreichen,
Den aus Rubinenaugen strahlend,
Hoch überwallet der Reigerbusch.
Fort mit der Henna, der Ambrasalbe!
Mag nichts erbetteln vom gleißenden Schein.
Aber die glühendste Rose gieb mir,
Daß ich den Schmuck mit der Schwester teile;
Schwester der Rose ja nannt' er mich oft;
Damals schon, als er von Teherans Hofe
Mit dem Gefolge zuerst uns besuchte,
Und mich der Vater ihm heimlich bestimmt.
Weißt du, Emina, wie hoch ich errötet,
Als mir der Vater den Schleier zu heben
Hier vor dem fremden Manne befahl?
Und jetzt darf ich entgegen ihm glühen,
Darf mich ihm schmücken als liebende Braut!
Lächelst, Emina? – Werde' ich gefallen,
Wenn der Geliebte mich wiederschaut? –
Nun denn, ihr freundlichen Blumenaugen,
Würzt das Gemach mir mit süßer Luft,
Boten von Assads Herzensschlägen,
Strahlen von Assads Seelenduft!
Eilet wohl, seinem Werben verbunden,
Grüßend voran dem Freunde nur?
Flüstert mir schwellend von seligen Stunden,
Zeichnet liebend des Teuren Spur!
Wollt mir, traute Verräter, sagen:
„Schon nicht mehr weit ist der Freund;
Freudig wird Herz am Herzen schlagen,
Wenn euch die nächste Stunde vereint!“