Sonntagslied

C. Loewe

Der Sonntag ist da!

Er kommt uns gesendet vom Himmel!

Drum schweigt das Getümmel

Der irdischen Müh'!

Er steht an den Wegen

Und zeiget den Segen,

Den Gott uns verlieh. --

Der Sonntag ist da!

Er ruft uns ins Ährengefilde,

Die freundliche Milde

Des Vaters zu sehn.

Wie glänzt in der Stille

Des Tages die Fülle

Der Saaten so schön!

Der Sonntag ist da!

Die Kette des Pfluges nicht klirret,

Die Peitsche nicht schwirret,

Es knarret kein Rad.

Wir stehen und hören

Das Rauschen der Ähren

In wogender Saat.

Der Sonntag ist da!

Wir streuten in Hoffnung den Saamen!

Der Vater sprach „Amen!”

Da wuchs er empor.

Nun stehn wir und hören

Das Rauschen der Ähren

Mit freudigem Ohr.

Der Sonntag ist da!

Auf, lasset den Vater uns loben!

Er feuchtet von oben

Den durstenden Keim!

Bald rauschen und klingen

Die Sicheln; wir bringen

Die Garben dann heim.

Der Sonntag ist da!

Was hoffend und liebend wir säen,

Wird einstens erstehen

In lieblichem Glanz.

Wir säen im Staube,

Dort reicht uns der Glaube

Den ewigen Kranz. --