Auf der Schwelle

M. Bach

Eines Abends, als sich der Dichter Ibn il Khayat zu seiner Freundin

begeben wollte, fiel er, ganz erregt durch den Gedanken, daß er sie

wiedersehen sollte, ohnmächtig auf der Schwelle vor der Wohnung

der Geliebten nieder. Diese hatte den Fall seines Körpers gehört, kam

herbei, öffnete die Tür und neigte sich über den Ohnmächtigen, eine

Fackel in der Hand. Ein Tropfen heißes Wachs fiel in das Angesicht

des Dichters, und der dadurch verursachte Schmerz führte den

Ohnmächtigen schnell in das Bewußtsein zurück. Ibn il Khayat

erkannte die Freundin, die sich über ihn neigte, und begrüßte sie,

ohne daß er sich die Zeit nahm aufzustehen, mit den folgenden

Worten:

O du, beeile dich nicht allzusehr,

Das Feuer an das Antlitz deines Freundes

Zu bringen, – seine Tränen, die für dich,

Für dich nur fließen, würden deine Fackel

Gar schnell verlöschen, eh du dichs versiehst.

Entzünde lieber meinen Leib und alles,60

Was an mir ist; nur nimm dich, bitte, bitte,

In acht, mit deinem grimmen Feuer an

Mein Herz zu rühren; dieses darfst du nimmer

Verbrennen, – denn du selbst wohnst ja darin!