Johannisnacht am Rhein

M. Meyer-Olbersleben

Nun wird es warme Sommernacht.

Wie viele Feuer auf den Bergen!

O wie es duftet, rauschet, wacht!

Vom Rheine schallt der Schlag des Fergen.

Nun ruht die Welt, es geht der Strom,

der Himmel blau und wunderhelle,

als sei's ein ew'ger Wunderdom,

davon die Erde nur die Schwelle.

Johannisnacht in heil'ger Pracht,

mit Duft und Schimmern, Blumen, Sternen,

wo Gottes Auge lächelnd wacht

in allen Nähen, allen Fernen!

Es geht ein sel'ger Liebeston

vom Himmel einend zu der Erden,

verstummend schweigen Sünd' und Hohn,

als müsse alles Liebe werden.

O darum angezündet wehn

von allen Bergen lichte Flammen,

o darum alle Sterne sehn

und Erd' und Himmel glühn zusammen.

Es ruht die Welt, und wenn der Wind

noch in dem Wipfelgrün mag rauschen,

so ist es weich und liebeslind,

dass man mag jubeln, beten, lauschen.