Auf hinaus aus dem Haus

M. Moszkowski

Auf, hinaus,

aus dem Haus,

aus der schwülen Städteluft

in den frischen Frühlingsduft!

Nicht geweilt,

rasch geeilt!

Nach des Tages Müh' und Plag'

winkt der Mai zu Wies' und Hag.

Dort in Lust

schwillt die Brust,

wenn die Vögel im Flieder

singen jubelnde Lieder:

Kommt herbei,

neu erwacht ist der Mai!

Und es duftet so süß und die Luft weht so mild:

Ist es Wonn', ist es Wehmuth, die mich erfüllt?

Wie theilt' ich mit Euch die Lust so gern,

Ihr Lieben mein in der Heimath fern.

Da sitzt vor dem Hause lieb' Mütterlein

und denket, wo ich wohl jetzt mag sein.

Und unter der Lind am gewohnten Platz

da träumet von mir mein süßer Schatz,

Herzlieben all, tausend Grüße für Euch!

Meine Sehnsucht ist ja der Euren gleich!

Getrost, nicht lange mehr sind wir getrennt

bald hat mein Wandern nun auch ein End!

Über's Jahr, über's Jahr mit dem ersten Frühlingskeim,

mit den Schwalben kehr ich heim,

O wie schön!

Wiedersehn!

Nach der Trennung langem Harm

halt ich Euch in mienem Arm.

Dann von Lust

schwillt die Brust!

Selig wandelnd im Flieder

hab' ich Alles dann wieder,

Hoffnungstreu

grüß ich Dich, holder Mai!