Zur nacht

M. Naacke

Die nacht ist vor der thür,

Und liegt schon auf der erden.

Meine Jesus trit herfür,

Und laß es helle werden.

Bey dir, Herr Jesu Christ,

Ist lauter sonnenlicht.

Gib deinen gnadenschein

In meine verfinstert herze,

Laß in mir brennend seyn

Die schöne glaubens-kerze.

Vertreib die sündennacht,

Die mir viel kummer macht.

Ich habe manchen tag

In eitelkiet vertrieben;

Du hast den überschlag

Gemacht und aufgeschrieben:

Ich selber stelle mir

Die schwere rechnung für.

Solt etwan meine schuld

Noch aufgeschrieben stehen:

So laß durch deine huld

Dieselbe doch vergehen.

Dein rosenfarbes blut

Macht alle rechnung gut.

Ich will mit dir, meine hort,

Aufs neue mich verbinden,

Zu folgen deinem wort,

Zu fliehn den wust der sünden,

Dein Geist mich stets regier,

Und mich zum guten führ.

Wohlan, ich lebe mich

In deinen armen nieder.

Des morgens rufe mich

Zu meiner arbeit wieder:

Denn du bist tag und nacht

Auf meinen nutz bedacht.

Ich wünsche nur von dir,

Nichts von der welt zu träumen.

Drum bitt ich, komm zu mir,

Komm doch ohn alles säumen,

Und heisse meinen geist,

Nur träumen, wer du seyst.

Ich schlafe; wache du,

Ich schlaf in Jesu namen;

Sprich du zu meiner ruh

Ein kräftig ja und amen:

Und also stell ich dich

Zum wächter über mich.