Mummelsee

M. Ohnec

Wir trieben über den schlafenden See

- War's Träumen? War es Wachen? --

Die dunkeläugige Wasserfee

Stieg zu uns in den Nachen.

Sie tauchte die Hand im Nixenscherz

In die düster schweigenden Fluten:

Da blitzt' es plötzlich allerwärts

Empor wie züngelnde Gluten;

Ein Wellengekräusel lief über den See --

Doch war kein Hauch zu spüren --

Mir deucht', als hört' ich die Wasserfee

Geheime Zwiesprach führen.

Ich sah die funkelnden Tropfen sacht

Durch die Finger, die leuchtenden, gleiten;

Da ließ ich mich durch dämonische Nacht

Zu gleichem Spiele verleiten;

Da langte mein Arm in die Tiefe geschwind,

Um die schimmernde Hand zu erhaschen --

Weh dir, du törichtes Menschenkind,

Vom Elfenzauber zu naschen!

Denn als mich umrieselt die tückische Flut,

Hab' ich Frösteln des Todes empfunden;

Zum Herzen drängte das stockende Blut --

Und die Nixe war traumhaft verschwunden.

Schlaff hing mein Arm -- und sterbensmatt

Bin ich am Ufer gelandet;

Gebrochen war ich und lebenssatt

Wie der Schiffer, am Felsen gestrandet.

Nie wieder zum Ringen erstarket die Hand,

Die gehascht nach den Wundern der Tiefe --

Und nimmer erlischt der Sehnsucht Brand --

Wer drunten läg' und schliefe!