Es pocht ein blonder Knabe
M. Peters
Es pocht' ein blonder Knabe
Vor eines Schenken Haus
Mit seinem Wanderstabe:
»Herr Wirt! nur schnell heraus
Mit einem kühlen, blanken,
Einem blanken Becher Wein!
Will zahlen und mich bedanken,
Bedanken noch obenein.«
Wirtstöchterlein, das junge
Mit braunem Augenpaar,
Reicht' ihm mit raschem Schwunge
Den vollen Becher dar.
»O nein! du mußt erst nippen,
Erst selber nippen am Rand
Mit deinen roten Lippen,
So rot wie kein' im Land.«
Sie tat, was er begehrte,
Sie trank ihm lächelnd zu,
Er saß bei ihr und leerte
Den Becher in guter Ruh.
»Könnt'st mir die Rose schenken,
Die Rose von deiner Brust,
Und deiner wollt' ich denken,
Dein denken in Wanderlust.«
Sie gab ihm auch die Rose
Von ihrer Brust sogleich,
Gefangen hielt der Lose
Ihr Händchen, schlank und weich.
»Könnt'st mich ein Stücklein bringen,
Ein Stücklein auf den Weg,
Im Walde tief verschlingen,
Verschlingen sich Pfad und Steg.«
Sie ging mit ihm so lange,
Bis daß ein Kreuzweg kam,
Er küßt' ihr Mund und Wange,
Als er nun Abschied nahm.
»Könnt'st mir dein Herz mitgeben,
Dein Herz, lieb Mägdelein!
Vielleicht kehr' ich im Leben,
Vielleicht hier wieder ein.«
»Mußt warten, lieber Knabe,
Mußt warten Jahr und Tag,
Ob ich's, wenn ich's noch habe,
Noch habe, dir geben mag.«
Er ging dahin und dachte:
Ob wohl das Warten frommt?
Sie schaut' ihm nach und lachte:
Ob er wohl wiederkommt?